| Wolfgang Büttinghaus Das verlorene Kind von Jean-Baptiste Camille Corot und seine Erinnerungen an Mortefontaine |
Campagne de Rome |
| Corots Werdegang |
Geboren am 17. Juli 1796 in Paris1822 – 1825 Corot erhält Unterricht bei Achille Etna Michallon, der in der Umgebung von Rom seine Studien in der Landschaftsmalerei betrieben hat. Nach dem Tod Michallons (1822) kam Corot in dem Atelier des neoklassizistischen Landschaftsmalers Jean-Victor Bertin, ein Schüler von Michallon, unter. „Ölstudien nach der Natur“ entwickeln sich zur Leidenschaft Corots vorbereitend für seine klassische Ausbildung als Landschaftsmalers. 1825 – 1828 Unter den Einflüssen Michallons und Bertin fährt Corot erstmalig nach Italien mit Behr, einem Studienkollegen aus dem Atelier Bertins. Italien, insbesondere die Umgebung von Rom galt seit Claude Lorrain und Poussin traditionell als die erste Adresse für französische Landschafter. Dort lernt Corot eine Gruppe von neoklassizistischen Landschaftsmalern kenne. Hierunter befanden sich Caruelle d’Aligniy und Edouard Bertin. Seine ersten Landschaftsmotive fand Corot in Rom und in der Campagna. Im Sommer und Herbst 1826 arbeitet er in den Sabiner Bergen (Civita Castellana, Castel St. Elia, Papigno, Narni). Im November reist Corot in die Umgebung von Albano, Nemi, Ariccia, Genzano, Nemisee und Marino; im November nach Tivoli. Im Frühjahr und Sommer 1827 arbeitet er in Olevano, Marino, Albano, Civita Castellana, Aricca, Genzano, Nemisee und Tivoli. Während dieser Zeit arbeitet Corot überwiegend in freier Natur vor dem Motiv und entwickelt seine Fähigkeiten weiter aus. Eindrücke, wie sie in der Landschaft von der Natur durch Licht und Farbgebung vorgegeben wird, setzt er auf seine Malträger mit seinen Ölfarben um. Studien in der Natur mit Bleistift skizziert dienen ihm überwiegend als Vorlagen für seine späteren Atelierarbeiten. Durch seine Ölstudien wird in Corot eine Leidenschaft geweckt, die für ihn richtungsweisend wurde und an der er sich bis hin ins hohe Alter orientierte. Aus der Umgebung von Rom sendet Corot von der Ausführung her zwei unterschiedliche Gemälde nach Paris, um sie auf dem großen Salon auszustellen. Beide Gemälde passieren die Jury. Sie tragen die Titel „Campagne de Rome“ und „Die Brücke von Narni“. Das Gemälde „Die Brücke von Narni“ ist im Atelier in Anlehnung an den Neoklassizismus entstanden. In der Fachpresse wurde dieses Gemälde positiv beurteilt. „Campagne de Rome“ , welches Corot vor dem Motiv in der freien Natur auf Leinwand gemalt hatte, erfährt eine Negativkritik, die ihn verunsichert und nachhaltig beeinflusst. Corot verlängert seinen Italienaufenthalt. Im Frühjahr 1828 reist er nach Neapel und kehrt über Venedig im September nach Paris zurück. 1831 - 1833 Bei seiner zweiten Ausstellung auf dem Salon mit den Titeln „La Cervara“ (Römische Campagna), „Kloster an der Adria“ und „Ein Wald von Fontaineblau“ gelingt Corot der Durchbruch. Er erfährt dieses Mal durch das seinerzeitige Publikum eine positive Beurteilung. Insbesondere „La Cervara“ (Kunsthaus Zürich) mit der tiefgrauen Sturmwolke beeindruckt die Kritiker. Während er noch auf der Salonausstellung 1827 ein Gemälde ausstellte, welches er vor dem Motiv und in der Natur gemalt hat, zeigte er nunmehr Werke, die er ausschließlich im Atelier auf Grundlagen seiner (Öl)-Studien in Anlehnung an den Neoklassizismus komponiert hatte. 1834 begibt sich Corot das zweite Mal in Begleitung des Malers Granden nach Italien. Seine nunmehr auf die Leinwand produzierten Landschaften kündigen seine tendenziellen Stilrichtungen an, die sich im Laufe seines Lebens ablösen. Seine Stationen waren nunmehr Genua, die Toscana, Volterra und Florenz in den Frühjahrs- und Sommermonaten. 1843 Von Mai bis August reist Corot das dritte Mal nach Italien. Nunmehr sucht er die Pfade seiner Jugend (seiner ersten Italienreise) wieder auf. Er malt in Tivoli, Genzano, am Nemisee und in Rom. 1849 Nach der Lockerung der Auswahlkriterien auf dem großen Salon in Paris stellte Corot zum zweiten Mal ein Gemälde aus, das er um 1826 in Rom vor der Kulisse in der Natur gemalt hat, „das Kolosseum“ (Musèe du Louvre). Er wird Mitglied der auf der Kunstausstellung gewählten Jury. Corot wird als einer der „ersten Künstler der zeitgenössischen Schule“ anerkannt. Es finden sich Schüler bei ihm ein wie Chinteuil, Francais, Lavieille, Gustav Colin, Dutilleux. 1851 – 1853 Aufenthalte in Arras bei Dutilleux. Hier lernt Corot Alfred Robaut, sein späterer Biograf kennen. Erstmalig stellt Corot auf der Kunstausstellung eine unmittelbar in Frankreich gemalte Studie „der Hafen von La Rochelle“ aus. In Dauphiné lernt er Daubigniy, sowie in Dardaguy bei Genf Armand Leleux kennen. 1855 stellt Corot auf der Weltausstellung seine Werke aus und wird dort als Künstler bestätigt. Er erhält eine Medaille „erster Klasse“. 1862 Bekanntschaft mit Corbet. 1864 wird Corot Mitglied des Zulassungsausschusses der Kunstausstellung. Im Salon stellt er u. a. „Souvenir de Mortefontaine“ (Erinnerung an das tote, schlafende Wasser/Brunnen - Musèe du Louvre) aus. 1865 wird im großen Salon in Paris „ Souvenir du lace de Nemi“ ausgestellt. 1866 - 1867 Corot wird durch einen Gichtanfall in seinen Bewegungsfreiheiten eingeschränkt. Er hält sich in Ville d`Avray in seinem (Eltern-)Haus auf. Ausstellungen: Weltausstellung und im großen Salon. 1869 Corot wird von der Öffentlichkeit kritisiert, die ihn eher als Landschaftsmaler als Portraitist sieht. 1870 wird Corot Mitglied der Jury des großen Salons. 1871 Während des Französischen/Preußischen Krieges bleibt Corot zunächst in der Umgebung von Paris und geht schließlich mit Robaut nach Arras. Er malt u.a. den Glockenturm von Douai (Musèe du Louvre), ebenfalls eine Vorwegnahme des Impressionismus. 1872 Robaut zeichnet Corots letzte Lebensphase auf. Er lässt rund 600 Gemälde aus dem Atelier nach Arras bringen, um sie dort fotografieren zu lassen. Am 22. Februar 1875 stirbt Corot in Paris. |